flüsterend, auftrumpfend, ja beinahe penetrant schlawenzeln die stunden vorüber, allerhand aktivitäten die der tag mit sich fort schwemmt. am ende des tages steht ein jeder der zeit nackig gegenüber. vor dem zu bett gehen kommt ein jeder wieder so daher, wie er einst auf die welt geschlittert ist: nur mit sich selbst und mit sonst gar nichts in den noch nicht einmal vorhandenen taschen. so stehen wir ihr gegenüber: der zeit.
was ist zeit? ein jeder scheint ein anderes verständnis von zeit inne zu haben. einzig die unterteilung in jahre, monate, wochen, stunden, sekunden…ist als grundgerüst allen gemeinsam zu grunde gelegt. schon die interpretation dessen wie solche stunden beschaffen sind und wie sie vorüber ziehen, unterscheidet sich von persönlichkeit zu persönlihckeit. die zeit ist ein ortientierungsmittel, ein gewährleister, dass verabredungen punkt genau statt zu finden vermögen. die zeit ist ein rahmengeber, in dessen gehege wir unsere tage und unser schaffen ergiessen können. die zeit ist ein anker, an den wir anzudocken vermögen, wenn die see allzu stürmisch droht, uns mit sich zu reissen.
was wären wir ohne die zeit? die einen sagen uns, zeit ist eine illusion, vom menschen gemachtes erzeugnis, produkt postmoderner welten, eingeführt durch die industrialisierung. die anderen sind der auffassung, zeit ist eine erfindung des fortschritts. fluch und segen, wie das bei so vielen erzeugnissen des puren lebens ist. zeit erleichter unser leben und bereichert es bis in die kleinsten winkel unseres lebens. denn mit ihr haben wir ein instrument, uns zu organisieren und unser schaffen konkret in zeiteinheiten zu messen. freilich gibt es eine ganze reihe messbarer faktoren für den tageserfolg. die zeit lässt uns die tage in viertel teilen und genauestens festlegen, bis wann gewisse aufgaben erledigt sein müssen. mit der zeit schwoll auch der kontrollzwang rasant an. das ist die kehrseite der medaille. zeit raubt dem menschen ein stück persönlichkeit, ein stück genialität und gibt ihm statt dessen ein stück stumpfes marionettentum in die hände. wir sind die marionetten der zeit und sie lässt uns bis in die irre tanzen, wenn der zeitplan durcheinander gerät und uns die zeit droht aus den händen zu rinnen.
doch die domäne der zeit scheint zu bröckeln. die anzahl derer steigt, die wieder vermehrt lernen, ihrem biorhythmus zu folgen, ohne unsere so innig geliebt und zugleich gehasste zeit zu stark im visier zu haben. intuitive geschicke wachsen und mit ihr die befreiung von den einst eigens errichteten gefängnismäuern veralteter konzepte.
die zeit geht an krücken. und der mensch lernt aufrecht zu gehen, zu sehen und endlich mensch zu sein?