derzeit laufen innerhalb deutschlands parteienlandschaften und eigens gegründeter, aktiver vereine wilde diskussionen und dialoge zum bedingungslosen grundeinkommen – kurz bge. dabei handelt es sich um ein – bzw. mehrere kreiierte – modell(e), nach welchem jeder bürger – unabhängig seines status’, seiner bisherigen tätigkeiten und finanziellen lage – ein monatliches grundgeld bekommen soll. die finanzierung soll durch das vereinfachen und neugestalten des bisherigen steuersystems und dem rigorosen abbau von mehrkosten durch unnötige bürokratie erfolgen. unter der oberfläche wird viel an all den modellen herum gebastelt und gemorchelt. ob, wann und in welchem umfang es an unsere ufer gespült wird, steht allerdings noch in den sternen. es gibt zahlreiche befürworter als auch gegner.
stellt sich die frage: worauf zielt das bge ab? was strebt es an zu erreichen?
die wesentlichen thesen des bge sind folgende:
* loslösung von der täglichen sorge um die absicherung der eigenen existenz (alltag für die meisten alg II empfänger
* stärkung der familie und der erziehung der kinder – förderung der familiennähe
* freiwilliges leisten von arbeit und übernahme von verantwortung durch entkoppelung des schaffens vom einkommen und somit stärkung der unternehmen durch wegfallende belastung/angst vor kündigungen der mitarbeiter aufgrund der finanziellen lage
* keine subventionierung von unträchtigen industriezweigen und wirtschaftsgebieten
* sozialleistungen werden ersetzt durch das bge und somit können hiesige bürokratien und zeit sowie geldfressende sozialaufwendungen abgebaut werden
* freiraum zur selbstbestimmung da absicherung der existenz und ermöglichung der teilhabe am leben
* [...]
soweit so gut! das zu lesen ist die eine seite. die frage ist, ob sich solch ein system überhaupt so umsetzen liesse. der wohl größte nutzen des bge s ist aus meiner höchst persönlichen sicht das aufheben der entfremdung zwischen dem menschen von heute und seiner arbeit. es gibt zu hauf arbeiten, die des geldes wegen getan werden, wenig persönliches wachstum und erst recht keine lebensfreude erzeugen. obendrein sind viele dieser arbeiten so gering bezahlt, dass entweder weitere arbeiten aufgenommen werden müssen, oder die ausführenden menschen zusätzlich alg II bedürfen. eine andere sparte sind die arbeitslosen menschen. viele von ihnen verlieren sich selbst und ihren sinn am leben. die folge ist das abrutschen in soziale brennpunkte und sinnlosem dahinleben. jegliche autotelik und selbstgestalterische impulse – fehlanzeige. ein alg II sichert zwar auf geringstem level ihre existenz, allerdings ist ein teilnehmen am leben und somit an sozialen veranstaltungen kaum mehr gegeben. hier sehe ich, dass das umsetzen und einführen des eines sinnvoll durchdachten bge modells einiges an abhilfe und positiven wandel mit sich führen kann.
doch ginge solch eine einführung meiner meinung nach nur in gewissen ettappen mit zuvor stückweise stattfindenden mentalen umdenkprozessen. dass arbeit geld kostet und man nur etwas wert ist, wenn man einen gewissen status erreicht hat, ist eine sehr weit verbreitete denke. folglich fühlen sich viele menschen am rande des existenz minimums entwertet. ein bge bringt ihnen zwar absicherung und mehr handlungsspielraum. aber es lehrt sie nicht, wie sie in kontakt mit ihrem potential kommen und lernen, ihr leben eigenverantwortlich in die hand zu nehmen und zu gestalten.
es ist hinlänglich bekannt, dass ein mensch ein ziel, einen sinn und soziale kontaktnetze in seinem leben braucht, um glücklcih zu sein. und gerade am eigenen sinn hapert es nur so. beobachten wir zahlreiche menschen in ihrer lebensweise genauer, so tritt dieses manko schnell an die oberfläche des sichtbaren.
bevor solche in bge also zur vollsten blüte sich entfalten und dem menschen dazu verhelfen kann, das zu tun, was ihn ausmacht und wozu er da ist, bedarf es noch viel aufklärungsarbeit und unterstützende kurse sowie workshops zum bge und dem optimalen umgang mit diesen und dem eigenne leben.
sie sehen, ich bin ein befürworter des leitgedanken bge mit wachem auge. slogans wie: freiheit statt vollbeschäftigung sind dennoch mit vorsicht zu geniessen. denn es schliesst sich sofort die überfordernde frage an: ja was vesteht denn der einzelne unter freiheit? freiheit zu haben ist schön und gut. aber nur dann wirklcih bereichernd, wenn man diese auch weiss mit leben und sinn zu füllen. gerade arbeitssuchende menschen haben wohl ein hohes mass an freiheit. und dennoch macht es viele menschen – wie mir in vielen zwiegesprächen mit ihnen immer wieder bewusst wird – wenig glücklich, da sie keine ideen haben, was sie mit der ganzen freiheit bloss anfangen sollen. da fehlt einmal mehr der sinn ihres unterfangens “leben”. somit wird freiheit schnell zum tödlichen geschoss des dahinvegetierens. auch suggeriert der slogan das abschaffen von vollbeschäftigung bzw zeitintensiver arbeit. das kann und sollte nicht das ziel des bge sein. arbeit ist das was sich viele wünschen und auch brauchen. wichtig ist, dass sie die möglichkeit erhalten, arbeiten ihrem potential gemäß zu vollführen. dies kommt wiederum am ende der gesamtwirtschaftlichen lage zugute, denn arbeiten die von menschen verrichtet werden, welche für sie stimmig und passend sind, werden bekanntlich wesentlich qualitativ hochwertiger erfüllt mit zudem nützlichen und sinnvollen produktiven ergebnissen.
fazit:
das bge bedeutet somit für mich mehr qualität und sinn im eigenen leben zu haben und bildet eine brücke zwischen dem menschen, seinem potential und sinnvollen ergebnissen, die der gesamtheit zu gute kommen.

Darüber müssen wir demnächst mal ausgiebig diskutieren.
“freiwilliges leisten von arbeit und übernahme von verantwortung durch entkoppelung des schaffens vom einkommen”
Da glaub ich einfach nicht dran. Ich erinnere mich nur zu gut an einen Spieleabend vor gut einem Jahr. Dort saß eine Gruppe von Berufsanfängern, die sich einig darüber waren, ihre – wohlgemerkt selbstgewählte – Arbeit im Falle eines Lottogewinns sofort aufgeben zu wollen. Und es gibt jede Menge notwenige Aufgaben, die niemand freiwillig übernehmen würde.
Interessante Gedankengänge haste da zu Monitor gebracht^^
Nicht zu vergessen wäre, dass bei einer Grundsicherung z.B. durch das BGE es möglich wäre soziale und gemeinnützige Arbeit die ja oft “ehrenamtlich” ist, abzusichern oder sogar noch zu fördern – z.B. durch einen leicht erhöhten BGE-Satz…
@moni & simon
aloha ihr beiden
. da freu ich mich aber, dass ihr beiden den weg in meine blogwelt gefunden habt und mir ein paar eurer gedanken dalasst
@moni
an diesen abend kann ich mich lebhaft erinnern. aber bedenke, dass solche reaktionen dem spontanen geist entspringen. klar denken die meisten menschen bei solch einer gelegenheit erst mal daran: boah wenn ich ein bge einfach so bekomme oder einen lottogewinn, dann läuft mein leben anders und ich mach nur noch einen drauf und reise. begleitest du einen menschen aber über längere zeit so wirst du merken, dass sich das schnell wieder ändert, wenn erst einmal einige monate vielleicht nen jahr oder zweit vergangen sind. wenn der mensch (zumindest trifft das auf den leistungsgetrimmten deutschen zu
) sich längere zeit nicht produktiv betätigt, wird er depressiv und kommt sich nutzlos vor. dieses phänomen siehst du bei vielen arbeitslosen, die verzweifelt nach einer arbeit suchen und abstumpfen, im suff den geist betäuben, wiel sie einfach nichts finden und sich entwertet fühlen. wenn nun das bge durchgesetzt wird und sie geschnallt haben, dass sich die eigenen wertigkeit nicht zwangsläufig über die eigene arbeit gegen entgeld definieren muss, kommen sie irgendwann dahin, dass sie trotz bge sich sinngebende beschäftigungen suchen werden. einfach weil sie das brauchen. nur ist eben der druck weg, irgendeine stumpfsinnige arbeit machen zu müssen um was zu futtern zwischen den backen zu haben. man kommt dann dahin, dinge zu tun, die dem eigenen potential entsprechen und die ergebnisse sind dann viel produktiver, da man nicht mehr irgendwas um des lebens willen macht.
zb bei einem schönen schlückchen vom besten?
klar können wir gern demnächst drüber diskutieren
@simon
danke dir
dem was du sagst, stimm ich natürlich zu brüderchen. ob die förderung allerdings über einen erhöhten bge satz sich vollzieht ist gegenwärtig noch fraglich. momentan geht es erst einmal darum, ein funktionierendes modell zu kreieren aus dem tal der vielen modelle, einen aussagekräftigen feldversuch zu starten und es dann wirklichkeit werden zu lassen
. eine übergangszeit ist allein aufgrund der mentalen einstellung der meisten menschen vonnöten.
allerdings bin ich dafür, dass das bge einzig in der höhe gestattet wird, dass man sich davon ernähren und am grundleben teilnehmen kann. um die eigene verantwortlichkeit gegenüber dem eigenen leben zu wahren, muss der mensch zunächst dazu gebracht werden, trotz bge bestimmte weiterhin entgeltliche arbeit zu verrichten. nur ohne hiesigen bürokratieapparat. der übergang ist wichtig, da sonst meiner meinung nach ein modell des bge nicht funktionieren kann. siehe mentalitäten
schreib mir mal per mail wie es dir so geht und was du augenblicklich machst